
Der Weg zum Arzt? Immer weiter.
Die nächste Apotheke? Nicht mehr im Ort.
Der tägliche Einkauf? Auto nötig.
Ein Café, ein Platz zum Verweilen, ein Ort für Begegnung? Fehlanzeige.
Wer zentral in Gymnich wohnt, lebt inzwischen am Rand.
Der Ortskern: früher Mittelpunkt, heute Leerstelle
Was einmal das Herz des Dorfes war, verödet langsam – aber stetig. Und mit jedem Laden, der schließt, mit jeder Dienstleistung, die wegzieht, verlieren wir ein Stück lebendige Mitte. Was bleibt, ist ein Wohnort ohne Struktur – ein Kern ohne Funktion.
Die Gründe dafür sind vielfältig: steigende Mieten, Onlinehandel, mangelnde Perspektiven für kleine Geschäfte. Aber die Folgen tragen wir alle – im Portemonnaie, im Kalender und im Alltag.
Ohne Nahversorgung keine Nachbarschaft
Wenn man für einen Arzttermin 30 Minuten fahren muss – ist das nicht nur unpraktisch. Es ist sozial ungerecht. Für Ältere, für junge Familien, für Menschen ohne Auto.
Wenn es keinen Supermarkt mehr im Ort gibt, geht mehr verloren als die Möglichkeit, schnell mal Milch zu holen: Es geht Nachbarschaft verloren. Begegnung. Leben.
Ein Dorf lebt vom Miteinander im Zentrum.
Neue Ideen braucht das Dorf
Ich sage ganz klar: So kann es nicht weitergehen. Wir brauchen endlich Ideen, die wirklich greifen – nicht nur nostalgische Sonntagsreden oder Pflanzkübel für die Optik. Deshalb fordern wir:
- Eine neue Nutzung des Ortskerns mit Konzept: Kombinierte Lösungen aus Wohnen, Dienstleistungen, Praxen und Treffpunkten
- Unterstützung für Nahversorgung im Dorf, z. B. durch genossenschaftlich organisierte Dorfläden
- Flexible Raumnutzung: Co-Working statt Leerstand, Arztpraxis statt Spekulation
- Eine echte Beteiligung der Gymnicherinnen und Gymnicher – Sie wissen selbst am besten, was fehlt
- Fördermittel nutzen, bevor andere es tun: Für lebendige Ortskerne gibt es Programme – wir müssen sie nur abrufen
Gymnich hat mehr verdient als Leerstand und Flächenversiegelung
Es reicht nicht, neue Baugebiete zu erschließen, während das Zentrum stirbt.
Es reicht nicht, auf die nächsten Investoren zu hoffen, während das letzte Geschäft aufgibt.
Wir brauchen neue Lösungen – und den Mut, sie umzusetzen.