Infrastruktur

Trommeln war eigentlich gestern

Eine Rolle mit Speedpipes auf einer Straße in einem Wohngebiet

Trommeln war eigentlich gestern – wir trommeln noch heute

Ja, liebe Erftstädterinnen und Erftstädter, trommeln war eigentlich gestern – wir trommeln noch heute, das war unser Karnevalsmotto in der Session 2015/2016 für die Züge in Erftstadt Borr, Scheuren und Niederberg. Wir wollten damit auf die prekäre Versorgungslage mit Breitbandinternet in den südlichen Stadtteilen aufmerksam machen. Diese Stadtteile waren damals nur über eine Richtfunkstrecke an das Netz der Firma Eifel-Net gebunden. Von den Bandbreiten, die heute normal sind, konnten die Menschen in diesen Stadtteilen damals nur träumen.

Seit der Session 2015/16 ist viel passiert: Scheuren hat sein eigenes Glasfasernetz ausgebaut und auch Niederberg und Borr hat die Firma Vodafone zurück in die Zukunft geholt – mit Bandbreiten von 1.000 Mbit/s und mehr. Aber: Die letzten Jahre haben auch gezeigt, was passiert, wenn das Thema nur halbherzig und mit wenig Interesse verfolgt wird – und es hat uns wie im Brennglas gezeigt, welche Blüten auch staatliche Förderprogramme treiben, wenn wir uns nicht ernsthaft damit auseinandersetzen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass im letzten Wahlkampf im Jahr 2020 die Glasfaserversorgung durch die Deutsche Glasfaser und der flächendeckende 5G-Ausbau den politischen Diskurs bestimmt haben. Die Deutsche Glasfaser hat viele ihrer Versprechen eingelöst und zahlreiche Haushalte an ihr Glasfasernetz angeschlossen, aber von einer flächendeckenden Versorgung sind wir nach wie vor weit entfernt. Wir können als Stadt – und als Gesellschaft – nur dann erfolgreich sein, wenn wir alle in Erftstadt gleichwertige Lebensbedingungen haben und dazu gehört ein flächendeckendes Glasfasernetz „an jeder Milchkanne“! Während die Deutsche Glasfaser viele Teile von Erftstadt eigenwirtschaftlich durch Nachfragebündelungen erschlossen hat, blieben weniger dicht besiedelte Gebiete oder manchmal auch nur einzelne Straßenzüge außen vor. So etwas darf nicht passieren! Denn: Diese Gebiete werden niemals für andere Anbieter interessant werden und bieten deshalb weiterhin auf absehbare Zeit keine gleichwertigen Lebensbedingungen. Neu gebaute Häuser in diesen unterversorgten Gebieten haben fast keine Aussicht auf eine baldige Versorgung.

Und auch die staatlichen Förderungen – Sie ahnen es sicher schon – sind kein Allheilmittel, wie uns der Breitbandausbau in Erftstadt Scheuren gezeigt hat: Dort haben die Bürger mit viel Eigenleistung ihr Glasfasernetz selbst verlegt, über eine Bürgerinitiative gemeinsam in partnerschaftlicher Kooperation mit Vodafone. Zusätzlich wurde ein zweites Netz über ein durch die Stadtverwaltung gesteuertes Förderprogramm mit der Firma Eifel-Net verlegt. Kurzum: In Scheuren gibt es jetzt gleich zwei Glasfasernetze, wovon eins schon wieder aufgegeben wurde, nachdem die Firma Eifel-Net ein Insolvenzverfahren durchlaufen hat.

Diese beiden Beispiele zeigen: Breitbandinfrastruktur braucht mehr als die Hoffnung, dass sich schon alles irgendwie fügen wird. Und mehr als bloße Forderungen nach „schnellem Internet“ – was auch immer dieses schnelle Internet auch sein mag. Eine zuverlässige und leistungsfähige Breitbandinfrastruktur braucht genau drei Dinge: Eine Politik und eine Verwaltung, die sich wirklich für das Thema interessieren und klare Vorstellungen haben, wie sie die digitale Infrastruktur zukunftssicher aufbauen, und Telekommunikationsunternehmen, die an einer echten Partnerschaft mit der Stadt und der lokalen Wirtschaft interessiert sind.

Und das geht! Schauen wir auf den SPD-regierten Kreis Euskirchen mit Landrat Markus Ramers an der Spitze, dann ist eindrucksvoll zu sehen, was möglich ist: Der Kreis Euskirchen, der in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom und mehreren kleinen Telekommunikationsunternehmen und unter Zuhilfenahme gut geplanter und durchgeführter Förderprogramme eine flächendeckende Versorgung mit Glasfaser (FttH) anstrebt, selbst in den entlegensten Winkeln der Eifel, dann haben wir hier in Erftstadt doch erst recht keine Ausrede mehr, noch länger nur zu fordern, anstatt endlich was zu tun.

Und ja, es kann viel getan werden, wenn Unternehmen und Politik gemeinsam auf das gleiche Ziel hinarbeiten. So zuletzt in Borr geschehen. Neue, durch die Stadt als voll erschlossen vermarktete Grundstücke, konnten nicht an das bestehende Glasfasernetz angeschlossen werden, weil die Leerrohrkapazitäten nicht mehr ausreichten. Das sorgte für Frust bei den neuen Grundstückseigentümern und zeigt, dass „voll erschlossen“ mittlerweile bedeutet, dass auch ein Glasfaseranschluss vorhanden sein muss. Einzig durch einen Dialog mit Vodafone, ohne direkte Forderungen nach Fördermitteln, fadenscheinigen Lösungen oder Lippenbekenntnissen, sondern durch partnerschaftliche Zusammenarbeit hat sich Vodafone – beruhend auf den guten Erfahrungen in Scheuen – bereit erklärt, auch die neuen Grundstücke anzuschließen. Eigenwirtschaftlich! Können wir mehr erreichen?

Ich sage nein! Wenn wir in Erftstadt anfangen, den Glasfaserausbau gemeinsam zu denken, ohne Schnellschüsse und für den Bürger undurchsichtige Kooperationsverträge, aber mit Herzblut und mit echtem Pioniergeist und vor allem gemeinsam, dann sind wir auf einem sehr guten Weg!

Lasst es uns anpacken und ändern! Denn mit ändern fängt Geschichte an!

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